Wir waren auf den ersten Blick in den Cobra 427 S/C verliebt. Und das ist im Prinzip auch unsere Methode, wie wir unsere Modelle auswählen. Wenn wir sie lieben, dann wissen wir, dass auch Sie die Modelle lieben werden. Auf die „Liebe auf den ersten Blick“ folgt immer eine Phase des Zweifelns, in der wir uns fragen: Könnten wird etwas besser machen?

Daher stellten wir uns beim Cobra sofort die Frage: Ist dies das richtige Modell? Sollten wir vielleicht doch den 289 produzieren, oder wäre vielleicht der Daytona mit seinen GT-Meisterschaftssiegen eine bessere Wahl? Und welche Farbe – Viking Blue oder Guardsman Blue. Und wie ist es mit den Streifen? Gefällt er uns besser mit oder ohne Streifen?

Wir mussten uns diese Fragen aber nicht lange überlegen. Denn das beeindruckende Blau von Guardsman Blue und die charakteristischen Le Mans-Streifen des Competition-Modells ließen unsere Herzen gleich höherschlagen. Dann überlegten wir: Warum haben Rennwagen bestimmte Farben, wer bestimmt sie und wo kommen die charakteristischen Streifen her?

Für die FIA-Weltmeisterschaft in den 1950ern und 1960ern lackierten die Rennställe ihre Rennwagen in der Regel in den üblichen Rennfarben. Dabei wurde die Farbe nicht vom Land bestimmt, in dem der Wagen gebaut worden war, auch nicht von der Nationalität der Fahrer, sondern von der Nationalität des Teams, das das Fahrzeug zur Teilnahme eintrug. Die britischen Teams wählten Grün (daher das „British Racing Green“), die italienischen Teams Rot, die Franzosen Blau und die Deutschen wählten Weiß oder Silber

Von den amerikanischen Rennställen wurden zwei Farben übernommen, die beibehalten blieben und die auch außerhalb der FIA-Rennen gängig wurden:

Weiß mit blauen Längsstreifen

Blau mit weißen Längsstreifen

Von wem stammte also die Idee mit den Streifen?

Der amerikanische Millionär Briggs Swift Cunningham liebte Autorennen. Im Jahr 1940 begann seine lange Laufbahn, während der er Rennwagen eigener Konstruktion und nach eigenem Design baute und an Rennen teilnehmen ließ. Briggs war ein Pionier der Straßenrennen, bei denen die Fahrer über öffentliche Straßen und Landstraßen rasten. Er festigte seinen Ruf, indem er Rennen auf eigens dazu konstruierten Rennbahnen und privaten Parcours gewann. Ende 1955 hatte das Cunningham Team zwar noch kein Rennen gewonnen, aber in Le Mans bereits den dritten und fünften Platz belegt und so mit einem durch und durch amerikanischen Rennwagen die amerikanische Flagge im europäischen Motorsport gehisst. Cunningham spielte eine führende Rolle für den Imagewandel der Amerikaner, die zuvor als Bastler mit frisierten Autos galten und dafür, dass die amerikanischen Teams von den Europäern respektiert wurden. Darüber hinaus schuf er ein Fahrzeugmodell, das die Welt in seinen Bann schlagen sollte.  

Cunninghams Wagen (passenderweise Cunninghams genannt) waren in amerikanischemWeiß lackiert. Sie trugen zur besseren Erkennung bei hoher Geschwindigkeit aber auch blaue Streifen, die über Kühlerhaube, Dach und Heckklappe verliefen. In den nachfolgenden Jahren wurden Doppelstreifen dann als „Cunningham Stripes“ bezeichnet.

1953 Cunningham C4R – das erfolgreichste Cunningham Design (Foto: supercars.net)

1953 Cunningham C4R – das erfolgreichste Cunningham Design (Foto: supercars.net)

Cunningham Jaguar E-Type (Foto: revinstitute.org)

Cunningham Jaguar E-Type (Foto: revinstitute.org)

Mittlerweile war Peter Brock, der schon seit seinen High-School-Tagen von Briggs Cunningham inspiriert worden war, bei Shelby American zum Designchef avanciert. Als Motorsportfan hatte er als ein Anhänger von Cunningham sogar sein getunetes 1946 Ford Cabrio mit einem Paar blauer Rennstreifen versehen. Diese Farbkombination wurde schließlich zu seinem Markenzeichen.

Als er den Auftrag erhielt, Shelby Americans Mustang GT350 ein unverkennbares Design und Rennwagenimage zu geben, sah Brock die Lösung darin, den Mustang mit einem blau-weißen Streifen-Styling zu versehen, das jetzt als Le Mans-Streifen bezeichnet wird. Gleichzeitig wurden die 1964 Daytona Coupés in Viking Blue lackiert und mit zwei schmalen weißen Streifen über Frontschürze, Kühlerhaube und Dach versehen.

Für die Rennsaison 1965 wurden die Coupés des FIA Roadster und der 427 Cobra-Teamwagen in Guardsman Blue mit weißen Le Mans-Streifen lackiert. Ebenso die 1965er Ford GT, was diese Farbkombination schließlich zur charakteristischen Rennlackierung von Shelby American machte.

1965 wurden sechs Daytona dem britischen Alan Mann Racing Team zugeteilt. Dank englischer und amerikanischer Top-Piloten war es für Mann ein Leichtes, die Sportwagen-Weltmeisterschaft für Shelby American zu gewinnen und Ford damit den ersten Weltmeisterschaftstitel für einen amerikanischen Hersteller zu sichern. Die Rennlackierung des Teams in diesem Jahr, Guardsman Blue mit Wimbledon-Streifen, gilt bei vielen als der kultigste Look für diese Wagen. Folglich hat es den Anschein, dass die „Farbvorschrift für Rennteams“ nicht mehr ganz so streng eingehalten wurde!

1964 Shelby Daytona Cobra Coupe (CSX2299), Canadian International AutoShow von 2010

1964 Shelby Daytona Cobra Coupe (CSX2299), Canadian International AutoShow von 2010

Es gab eine Ausnahme zu Shelbys Doppelstreifen-Identität …

1967 kreierte Carroll Shelby den GT500 Super Snake. Dieses Sondermodell eines Shelby Supersportwagens, das für einen Goodyear-Reifentest gebaut worden war, hatte mehrere einzigartige Merkmale erhalten:

  • Einen für diesen Wagen speziell gebauten GT40 Mk II Motor.
  • Goodyear Thunderbolt Weißwandreifen
  • Eine einzigartige Version der Le Mans-Streifen: zwei schmale Streifen zu beiden Seiten eines breiten blauen Mittelstreifens.
Der originale 1967 Shelby GT500 Super Snake mit seinen einzigartigen Le Mans-Streifen.

Der originale 1967 Shelby GT500 Super Snake mit seinen einzigartigen Le Mans-Streifen.

In den 1970ern, als gesponserte Rennlackierungen bereits gang und gäbe waren, gab FIA die Vorschrift bezüglich der Farbgestaltung auf. Von den Autoherstellern werden traditionelle Farben aber zur Erinnerung an ihre großartigen Renntraditionen weiterhin verwendet.

Im Anschluss an Shelbys legendären Rennerfolg haben Hersteller und Eigentümer weiterhin die Le Mans-Streifen übernommen, um damit Power und Geschwindigkeit für ihre Sportwagen darzustellen. Allerdings wird die Leistung diesem Versprechen nicht immer gerecht.

Heute ist der Cobra für viele einer der schnittigsten und eindrucksvollsten Sportwagen, der seinen legendären Status seinem extrem leistungsstarken V8-Motor verdankt, der die Weltmeisterschaftssiege zur Realität gemacht hat. Daher finden wir es auch durchaus passend, dass wir unser 1:8 Modell in seinem kultigsten Styling präsentieren – Guardsman Blue mit Le Mans-Streifen in Wimbledon White – und damit die unwiderstehliche Kombination von Stil und Performance darstellen.

Faszinierende Fakten zu Shelbys Le Mans-Streifen:

Die zehn Zoll breiten Streifen messen nicht über die ganze Länge zehn Zoll, sondern laufen konisch zusammen mit einer Breite von 9 1/4 Zoll am unteren vorderen Abschirmblech bis zu 10 ½ Zoll am unteren und oberen Windschutzscheibenrand, 10 3/8 Zoll am oberen Rand des rückwärtigen Fensters, 10 1/8 Zoll am unteren Rand des rückwärtigen Fensters, 10 Zoll am Kofferraumdeckel und 10 Zoll am unteren Rand des rückwärtigen Abschirmblechs. Würden die Streifen konstant mit einer Breite von zehn Zoll über den gesamten Wagen lackiert, entstünde eine optische Täuschung und die Streifen würden beim Verlauf über das Autodach schmäler und dann an Front und Heck breiter erscheinen.

Diese Werksmaße wurden für alle von Shelby American lackierten 1965- und 1966-Wagen verwendet und dieselben Maße wurden an die Händler weitergegeben.

Für die Cobras wurden von Shelby American nie spezifische Maße für die Le Mans-Streifen verwendet. Wenn Rennwagen Streifen erhielten, wurden sie vom jeweiligen Lackierer gestaltet.

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